Workshop-Session zum Thema Partizipation und Netzwerk Technische Hochschule Augsburg, Social Discourses WiSe 25/26
Input & Vorbereitung
Das Wort Partizipation geht auf das lateinische Wort „particeps“ zurück und steht für Beteiligung, Teilhabe, Mitwirkung oder Einbeziehung. Eine allgemeingültige Definition dieses Begriffs ist jedoch schwer zu finden, was Elizabeth B. N. Sanders mit dem Zitat „Consequently, there is not a lot of agreement about what PD is.“ zusammenfasst. Um diese Vielschichtigkeit und Uneindeutigkeit aufzugreifen, setzen wir uns im Vorfeld mit verschiedenen Schriften unterschiedlicher Autor:innen zu diesem Thema auseinander.
Als Vorbereitungsliteratur für den Kurs entscheiden wir uns für eine Auswahl von vier Texten, zwischen denen sich die Teilnehmenden selbst entscheiden können. Der Grund für diese Entscheidungsfreiheit liegt in dem Wunsch, den Partizipationsgedanken auch in unserer Session aufzugreifen, indem unterschiedliche Gruppen unterschiedliches Expert:innenwisseneinbringen. Bei der Auswahl entscheiden wir uns für folgende Texte:
- „Design ist unsichtbar“ von Lucius Burckhardt
- „Partizipation gleich Gleichberechtigung?“ von Sandra Buchmüller
- „Ein vorsichtiger Prometheus“ von Bruno Latour zu Chancen des Designbegriffs
- „Partizipation“ von der BNE Fachstelle für Kommunalpolitik
Zielsetzung
Ziel dieser Session ist es, den Teilnehmenden die Vielschichtigkeit des Partizipationsgedankens näherzubringen. Partizipation ist ein Begriff, der im Laufe der Zeit zunehmend Verwendung findet und insbesondere im Gestaltungsbereich häufig aufgegriffen wird. Die überwiegend positive Konnotation des Begriffs kann jedoch auch dazu führen, dass Prozesse oder Projekte vorschnell als partizipativ bezeichnet werden. Dies erschwert sowohl das Verständnis als auch die tatsächliche Anwendung dieser Arbeitsweise.
Auch der Begriff Netzwerk wird im Gestaltungsbereich zunehmend verwendet, bietet jedoch zunächst viel Interpretationsspielraum. Anhand von Beispielen sowie durch die gemeinsame Gestaltung eines Artefakts möchten wir aufzeigen, welches Netzwerk hinter jedem gestalteten Objekt, System oder jeder Interaktion steht.
Durch eine Auswahl theoretischer Auseinandersetzungen mit den Themen sowie einen offenen Diskurs zwischen Personen mit unterschiedlichen Expertisen und Erfahrungen möchten wir versuchen, diese komplexen Themenfelder greifbarer zu machen. Ziel ist es, Raum für Reflexion zu schaffen und unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden zu lassen. Im besten Fall nehmen die Teilnehmenden Impulse mit, die sie in zukünftigen Projekten berücksichtigen und auf deren Grundlage sie eine eigene Haltung zur Partizipation & Netzwerken entwickeln können.
Session
Die Session beginnt mit einem kurzen Warm up zum Ankommen und für einen ersten Austausch untereinander. Hierfür hängen wir drei verschiedene Mood Scales im Raum auf, auf denen sich alle Teilnehmenden einordnen können.
Im Anschluss folgt ein kurzer Input unsererseits, in dem wir zentrale Inhalte aus den ausgeteilten Texten vorstellen. Dieser ergänzen wir um weitere Perspektiven, beispielsweise durch Sichtweisen der qualitativen Sozialforscherin Hella von Unger.
Nach dem Input geben wir allen Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Gedanken zu sortieren und Fragen zu notieren. Als Format dient hierfür ein siebenminütiges Journaling auf kleinen Transparentpapierzetteln.
Anschließend finden sich die vier Gruppen entsprechend der gewählten Texte zusammen. In der Gruppenarbeit besteht die Aufgabe darin, alle Fragen, Impulse und Gedanken zum gelesenen Text jeweils einzeln auf Kärtchen zu notieren. Als Erinnerung an die Textinhalte und als Denkanstoß bereiten wir für jeden Text zusätzliche Kärtchen vor, auf denen kurze Impulse formuliert sind.
Nach einer kurzen Pause versammeln sich alle Gruppen um eine große Korkwand in der Mitte des Raumes. Nun besteht die Aufgabe darin, die beschriebenen Kärtchen nacheinander auf der Korkwand zu platzieren und mithilfe eines roten Wollfadens Verbindungen zwischen ihnen herzustellen. Eine Besonderheit dieses Teils ist, dass wir darum bitten, den gesamten Prozess ohne verbale Kommunikation durchzuführen. Neben einem experimentellen Ansatz steht hierbei die Frage im Fokus, wie ein solcher Prozess ohne Sprache funktionieren kann, wenn alle Teilnehmenden unterschiedliches Wissen mitbringen und dieses miteinander in Beziehung setzen möchten. An dieser Stelle greift auch das Oberthema des Kurses „Design und Macht“.
Nach dem zehnminütigen stillen Platzieren tauschen die Teilnehmenden Beobachtungen, Fragen und Gedanken verbal aus. Dabei ist es ausdrücklich erwünscht, Verbindungen neu zu setzen oder zu verändern. Nachdem sich der Austausch zunächst auf die Inhalte der gelesenen Texte bezieht, lenken wir den Diskurs gezielt stärker auf das Thema Design und Macht. Dafür setzen wir vorbereitete Impulsfragen ein.
Um nach dem intensiven Austausch im Plenum den Fokus noch einmal auf eigene Gedanken und Gefühle zu legen, bildet eine weitere Selbstreflexion den Abschluss der Session. Hierfür können die zuvor beschriebenen Transparentpapierzettel ergänzt oder beantwortet und nach Wunsch ebenfalls an der Korkwand platziert werden.
Artefakt
Das entstehende Artefakt ist eine Korkwand, bestückt mit Gedanken, Gefühlen und Fragen rund um das Thema Partizipation und Netzwerk. Die vier unterschiedlichen Papierfarben lassen sich auf die vier gelesenen Texte zurückführen und entstehen jeweils in den entsprechenden Expert:innengruppen. Der rote Faden visualisiert die Verbindungen, die zunächst ohne verbale Kommunikation und anschließend im gemeinsamen Diskurs gezogen werden. Ergänzt wird die Korkwand durch kleine Transparentpapierzettel mit persönlichen Gedanken und offenen Fragen zu den behandelten Themen.
Das Artefakt entsteht in einem ergebnisoffenen Prozess und wird vollständig durch die Partizipation der Teilnehmenden geprägt. Es visualisiert den gemeinsamen Diskurs der Session. Durch die Aufhängung der Korkwand im Treppenhaus des THA Gebäudes dienen die individuellen Impulse auch für Außenstehende als Inspiration und können möglicherweise um weitere Inhalte ergänzt werden.
Weiterführende Literatur und Quellen
1. Elizabeth B. N. Sanders: Perspectives on Participation in Design
❷ Im Rahmen des Kurses “Social Discourses” bei Corinna Sy wurden verschiedene gesellschaftsrelevante Themen behandelt. Zu jedem Topic wurden Sessions geplant, durchgeführt und dokumentiert.