Workshop-Session zum Thema Dekolonialisierung und Intersektionalität Technische Hochschule Augsburg, Social Discourses WiSe 25/26
Blindspots
Intersektionalität beschreibt das Zusammenspiel und die Wechselwirkung unterschiedlicher sozialer Kategorien wie Geschlecht, Herkunft, soziale Klasse, sexuelle Orientierung oder Behinderung, die zu vielfältigen und sich verstärkenden Diskriminierungserfahrungen führen können. Der Begriff wurde von der US-amerikanischen Juristin Kimberlé Crenshaw geprägt, die seit den 1980er Jahren in mehreren Gerichtsverfahren die isoliert betrachtete Diskriminierungserfahrungen als blinde Flecken der US-Rechtssprechung aufdeckte und erstmals in den Blick der Öffentlichkeit rückte.
Der Ansatz macht deutlich, dass Diskriminierung nicht eindimensional ist, sondern sich aus dem Zusammenspiel mehrerer Macht- und Ungleichheitsverhältnisse ergibt. Dadurch hilft Intersektionalität, unterschiedliche Lebensrealitäten besser zu verstehen und soziale Ungleichheiten differenziert zu analysieren.
In Verbindung mit Dekolonialisierung macht Intersektionalität zudem sichtbar, wie koloniale Geschichte und globale Machtstrukturen bis heute soziale Ungleichheiten prägen. Gemeinsam ermöglichen beide Perspektiven ein tieferes Verständnis dafür, wie historische und gegenwärtige Unterdrückungsformen miteinander verflochten sind.
Eine bekannte Vertreterin zum Thema in Deutschland ist Emilia Roig, die das Center for Intersectional Justice gegründet hat und wichtige Impulse zum Diskurs über Dekolonialisierung und Intersektionalität liefert.
In unserer Session “Blindspots” erarbeiteten wir mit dem Kurs die wichtigsten Grundlagen eines intersektionalen Blicks auf Design und konnten mit dem Kartenset ein wichtiges Design-Tool für gerechte Gestaltungsprozesse entwickeln.
AUFBAU DER SESSION:
Warm-up - 5 Minuten:
Jede Person nennt eine Metapher aus dem Text oder eine, die ihnen einfällt (z. B. „unsichtbare Barrieren“, „stille Stimmen“) oder allgemein ein Thema was ihr zu inklusiven Design bzw. Intersektionalität einfällt.
Präsentation zum Thema - 10 Minuten
Eine kurze Wiederholung und Zusammenfassung des Textes
Gruppenarbeit - 25 Minuten In Zweierteams werden zwei Karten für ein Tool-Kit entwickelt, bei dem jede Karte ein Konzept aus dem Text visualisiert
Plenum - 20 Minuten Kurze Erklärung zu den gestalteten Karten pro Gruppe.
Reflexion - 20 Minuten Welche Karte fiel euch am schwersten – und was sagt das über das Thema? Das Artefakt umfasst ein vollständiges Kartenset aus acht Begriffen und den dazugehörigen Erläuterungen
Als Artefakt entstand ein Kartenset, welche sich mit Diskriminierung im Design auseinandersetzt. Die einzelnen Karten decken dabei acht verschiedene Bereiche ab und beleuchten, wie in diesen unterschiedliche Usergruppen benachteiligt werden können.
Diese Bereiche waren:
Access
Representation
Participation
Norms
Workload
Safety
Values
Context
Auf den Karten stand bereits die jeweilige Kategorie. Zu diesen wurde ein passendes Symbol oder Bild, eine Kurzbeschreibung, ein Bewusstseinsfokus und eine Reflexionsfrage erarbeitet.
Das fertige Deck soll von Designer:innen zur Reflexion eigener Projekte genutzt werden können, um diese auf "blinde Flecken" zu überprüfen, damit sie nicht unbewusst und ungewollt diskriminierend anderen gegenüber sind.
Im anschließenden Plenum wurden die Ergebnisse aus der Session besprochen.
FRAGEN AUS DER DISKUSSION
Welche Rolle kommt uns als
privilegierten weißen Personen bei der Definition von
Maßstäben für Dekolonialisierung zu – und wo liegen dabei unsere
Grenzen?
Wo verläuft die Grenze zwischen solidarischer Auseinandersetzung und dem erneuten Sprechen über andere?
Für wen gestalten wir eigentlich, wenn wir von Gerechtigkeit sprechen?
Kann Design koloniale Strukturen tatsächlich abbauen – oder stabilisiert es sie oft ungewollt?
AUSBLICK
Eine gute Möglichkeit das Projekt zu erweiterten wäre das Hinzufügen weiterer Karten und neuer blindspots in den jeweiligen Kategorien. Es können aber auch ganz neue Bereiche ergänzt werden.
❷ Im Rahmen des Kurses “Social Discourses” bei Corinna Sy wurden verschiedene gesellschaftsrelevante Themen behandelt. Zu jedem Topic wurden Sessions geplant, durchgeführt und dokumentiert.